| Gute Botschaft |
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Kurz nach dem zweitem Weltkrieg. Ludwig und seine Frau sind verzweifelt denn Ihr einziger Sohn gillt als vermisst. Mittlerweile sind zwei jahre vergangen und die zwei Alten verlieren mittlerweile die Hoffnung und Ihren Glauben. Doch dann... Sprecher: Wie ein tiefes Atemholen geht es durch den Winterwald. Man Hört jetzt keinen Vogellaut, der Wind rauscht nicht mehr. Und die bärtigen Männer sind still und schweigend zur Seite getreten. Am Stamm der hohen Buche steht der alte Holzmeister mit der Axt. Zwei Männer liegen auf den Kien und ziehen mit gleichmäßiger, ruhiger Bewegung die lange Säge hin und her, die sich tiefer und tiefer in den Stamm des Baumes hineinfrisst. Jetzt holt der Holz-Meister mit der Axt weit aus und schlägt noch einige Male zu, dass die Späne fliegen. Der Baum hat bis dahin ruhig und hochragend gestanden. Nun läuft es wie ein Zittern den Stamm entlang bis hinauf in die weit ästige Krone. Wieder fährt die Axt nieder zum Schlag, da schwangt der Wipfel. 1. Mann: Achtung! Der Baum fällt! Sprecher: Langsam, langsam neigt sich der Stamm zur Seite, wie ein tiefes Stöhnen dringt es aus dem innersten Mark des Waldriesen, dann ein Krachen, ein dumpfer Schlag, dass der Erdboden dröhnt. Der Riese, der manches Jahrzehnt den Wind und Sturmgewittern fest gestanden und dem Untergang getrotzt hat, liegt geschlagen am Boden, von Menschenhand gefällt. Die Männer treten an den Baum heran, an dessen Wurzelstock der Alte noch steht, gestützt auf den Stiel seiner Axt, indes sein Blick gedankenschwer über den dahin gestreckten Stamm geht. 2. Mann: Ein prächtiger Kerl. Schade, dass er dem nachrückenden Jungwald schon hat Platz machen müssen. Der hätte es noch eine Weile ausgehalten. Bachhannnjer: Und noch gesund bis ins innerste Mark hinein. Man kann's oft von außen nicht sehen, ob gesund oder krank. Wir hatten drüben beim "Dicken Stein" auf unserem Acker einen Wildkirschbaum stehen, ihr habt ihn gekannt. Was für ein Baum, meine Zeit! Mein Großvater hat sich auf ihm schon beim Kirschenpflücken die Hosen zerrissen. Ich hätte gewettet, dass er meine Enkel noch aushält. Im Sommer beim Kornschneiden, wie das fürchterliche Unwetter war, kommt ein Windwirbel und dreht den Stamm einfach ab. Bachhannnjer: Was soll ich sagen - da kommt's heraus, innerlich faul, durch und durch, und man hat es ihm von außen nicht angesehen. Nur dass er seit zwei Jahren keine Kirschen mehr brachte. Ja - wenn etwas faul wird, kann's keine Frucht mehr bringen. Ist schon eine ernste Sache. Holz- meister: Wenn der Baum fällt, wohin er fällt, da wird er liegen, so sagt es der weise Prediger Salomo. Das weiß ich sogar noch aus dem Konfirmandenunterricht, und wenn's auch schon über 40 Jahre her ist. Der steht jetzt nicht mehr auf. Ja, ihr Männer, so liegt jetzt unser Volk. Der Krieg ist aus, wie wird's weitergehen? Der Baum kann sich nicht wieder erheben, das ist vorbei. Hoffen wir, dass unser liebes Volk sich wieder aufrichtet und sich wieder zurechtfindet. - Aber nun ist Feierabend. 's ist Silvester heute, und ich denke, der Förster ist zufrieden, wenn wir heute eine Stunde früher heimgehen. 3. Mann: Sicher ist er das, Ludwig! (Förster kommt, sieht alle freundlich an.) Förster: Brav geschafft habt ihr. Klein machen wir den da erst im neuen Jahr und für heute ist Feierabend. Beim Bürgermeister liegt euer Lohn, mit einer guten Zulage, weil's Jahresende ist. Macht Euch jetzt auf dem Heimweg. Bachhannjer: Dank Förster, Dank! Und frohes neues Jahr! (reicht dem Förster die Hand und winkt dem Holzmeister zu) Ludwig, dir ebenso. Frohes Neues Jahr - mach's gut! Sprecher: Die Männer nahmen ihre Sachen auf und wandten sich seitwärts, wo zwischen den Stämmen der Rauch eines kleinen Feuers aufstieg. Dort suchten sie Kaffeekessel, und Brotsack zusammen, löschten mit einigen Handvoll Schnee die aufzischenden Flammen und stampften davon. Ihre Stimmen verhallten nach und nach in der Ferne, indes der Förster mit dem Holzmeister langsamen Schrittes folgte. Hier und da blieben die beiden Männer bei dem gefällten und aufgeschichteten Holz stehen, sprachen über die geleistete und noch zu leistende Arbeit, und als sie am Rande des Waldes ankamen, schritten die anderen Männer schon weit drunten im Tal dem fernen Dorf zu. Förster: So Ludwig, nun wollen wir zusehen, dass wir auch nach Hause kommen. Alles andere sehen wir dann im Neuen Jahr. Ein jedes Neue Jahr bringt neue Ziele, Erwartungen, Hoffnungen, Freuden und Wünsche, nicht wahr? Holz- meister: Ja, vor einigen Jahren könnte ich mit Ihnen, Herr Iffland wohl noch einstimmen, aber nach solchen Jahren der Enttäuschung und des Leides! Wir haben es aufgegeben. Ich meine, meine Frau und ich. Förster: Aber Ludwig! - glauben Sie denn nicht mehr an einen der stärker ist als alles? Alles auf der Welt. Weißt du Ludwig, an einem Silvestertag, so wie heute war ich auch mit dieser Welt fertig! Ich sah für das nächste Jahr keine Zukunft, hatte weder Ziele noch Hoffnung. Damals erkannte ich, daß Gott es ist, der unseren Schritt und Tritt lenkt! Ich habe mich ihm hingegeben, und ihm meine Zeit zur Verfügung gestellt. Sprecher: Langsam schritten sie talwärts. Weit und weiß lag ihnen die Erde. Der seit Tagen herrschende Frost hatte im reinen Weiß des Schnees Tausende von flimmernden Kristallen geschaffen, die Sonne stand schon weit hinter dem Wald, und hoch, wie eine Glocke aus azurfarbenem Glas stand der Himmel über der weiten Landschaft. Über allem lag eine feierliche Stille. Hinter den schneebedeckten Feldern ragte der Kirchturm des Dorfes auf. Wie ein schmales, dunkles Band zog sich im Weiß des Schnees der Pfad, den die Holzfäller getreten hatten, eine Brücke, die aus der Einsamkeit des Waldes hinüberführte, zu den Wohnungen der Menschen. Wortkarg und, mit dunklem Gesicht ging der Holzmeister an seiner Seite, dem Förster war es als müsse er den alten teilhaben lassen an der Freude des Neuen Jahres. Förster: Ich freue mich schon jetzt auf Erlebnisse mit Gott, im neuen Jahr. Wenn es auch nicht immer so kommt, wie ich's gerade möchte. So weiß ich doch, dass es so das Beste für mich ist. In Römer 12,12 steht: "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. Holz- meister: Ja, Herr Iffland, wenn wir das noch glauben könnten. Das haben wir auch einmal geglaubt, meine Frau und ich. Aber der Glaube ist dahin, liegt mit unserm Bernhard da draußen irgendwo. Sie wissen das noch nicht, und jetzt ist die rechte Stunde, darüber zu reden. Sehen Sie, Förster, der Bernhard, das ist mein Alles gewesen. 10Jahre waren wir verheiratet, da wurde uns der Bub geboren. Und was für ein Bub! Ein bildhübsches Kind, mit einem hellblonden Lockenkopf und lustigen Augen, und immer so ein schelmisches Lächeln im Gesicht. Ein Sonnenkind! Sonnenkind! und überall der Erste, in der Schule, in der Lehre, und als er zu den Soldaten kam - schon nach einem Jahr wurde er Unteroffizier. Wir, die Mutter und ich, waren so stolz auf ihn, mag's auch sündhaft sein, dass ich das so sage. Und dann das bittere Ende: Vermisst! Seit fast zwei Jahren! Immer noch haben wir gewartet auf eine Nachricht und gehofft, auch im vorigen Jahr zu Silvester noch. Wir feierten Neujahr wie sie es meinten, voller Hoffnung und Vertrauen, dass wir von Bernd etwas hören. Aber wie Sie nun wissen, geht das Jahr zu ende, und von Bernd keine Spur. Förster: Ja, lieber Ludwig, das glaube ich Ihnen schon, das ist schon ein schweres Schicksal, dass sie tragen müssen. (Der Holzmeister atmet schwer auf und spricht leise weiter.) Holz- meister: Und da ist noch etwas, was uns ungemein zu schaffen macht. Da ist unser Nachbar, der Hessekarl, der uns das Leben so schwer macht. Immer schon war er uns feindlich gesinnt. Holz- meister: Als ich vor Jahren meinen Holzschuppen baute, behauptete er, ich habe zu nahe an die Grenze gebaut, ich sollte den Schuppen wieder abreißen. Als ich das nicht tat, setzte er eine neue Vermessung des Geländes durch mit dem Erfolg, dass er selbst von seinem Besitz einen Meter abgeben musste. Das war natürlich etwas, was ihn geradezu dem öffentlichen Spott aussetzte, und wo er konnte, ließ er es uns entgelten. Nun - er hat auch einen Sohn, und das ist ein rechter Strick, ein Saufhaus und Raufbold, was soll ich sagen, ein wirklicher Leichtfuß, oft in der Kneipe und nie in der Kirche. Nun - auch er musste einrücken, und sehen Sie, der Bursche kommt wieder heim. Wenn ich den dann sehe und höre vom Nachbarhaus her, wie er seine frechen Lieder pfeift und herumschwadroniert, und ich denke an meinen Bernhard, den guten, frommen Jungen, der treu jeden Sonntag mit uns den Gottesdienst besuchte, und der - der kommt nun nicht wieder, Herr Iffland, Sie wissen nicht, wie das an uns, an der Mutter und mir, innerlich zehrt. Wie kann Gott so etwas zulassen? Das ist es, was uns quält und was uns mehr und mehr dahin bringt, uns von allem loszusagen. Wir wollen nicht mehr mit. Mag unser Leben verlöschen in Dunkelheit und Einsamkeit, was tut's. Meine Arbeit tue ich ja gerne, und ich bin froh, dass ich noch schaffen kann, aber mehr auch nicht. Das wollte ich Ihnen einmal sagen, und es tut so wohl, sich endlich einmal bei einem Menschen auszusprechen, der mich versteht und mir zuhört. (Pause) Förster: Oh, Ludwig, das ist gewiss ein großes Leid, und ich kann Euch gut verstehen. Aber, das darf doch nicht das letzte sein. ich musste bei Ihrem Erzählen plötzlich an den Mann denken, der den 73. Psalm geschrieben hat. Er hat auch darunter gelitten, dass es, wie er schreibt, den Gott-losen so wohl ging. "Sie sind nicht im Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt." Aber am Schluss ruft er aus: "Dennoch bleibe ich stets an Dir! - Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte!" Gewiss, ich verstehe Euch sehr gut, Ludwig. Es ist nicht leicht, so sein Liebstes hergeben zu müssen. Das lesen wir auch im Buche Hiob, der Mann, der so heimgesucht wurde und im tiefsten Leid stand. Und doch sagt er zu seiner verzagten Frau, nachdem sie soviel Gutes hatten hinnehmen dürfen, dass sie nun auch das Schwere erleiden wollen. Und so nahm er alles geduldig aus Gottes Hand und durfte dann später dafür einen reichen Segen empfangen. Ich sage Euch das zum Trost und zum Nachdenken für das neue Jahr, daheim in der Stille. (Sie reichen sich die Hand und verabschiedeten sich.) Holz- meister: Danke, Herr Iffland, danke! Das war jetzt ein gutes Wort, und dem wollen wir, meine Frau und ich, nachdenken. Wir möchten ja doch auch nicht so im Unglauben stehen und verloren gehen. Helfen Sie uns und denken Sie an uns. Sprecher: So trennten sie sich. Der Holzmeister schritt zum Dorf hinüber, der Förster schlug einen Seitenweg ein, der zum Forsthaus führte. In der Stube, die der alte Ludwig nach einer Weile betrat, lag schon die Dämmerung des frühen Winterabends. Der Mann hing Mütze, Halstuch und Überrock an einen Nagel hinter dem Ofen, in dem das Feuer knisterte und eine behagliche Wärme ausstrahlte. Holz- meister: Na, Mutter, sitzt du wieder im Dunkeln? Frau: 'n Abend, Ludwig. Was brauchen wir Licht, wir zwei Alten, Vor Jahreswechsel kommt ja doch niemand zu uns. Da ist's für uns zwei schon so hell genug. Holz- meister: Gewiss, Mutter, wenn ich an früher denke. Ach, nun wein nicht schon wieder. Ich will ja nicht weiter daran erinnern. Sprecher: Die Frau, deren weißes Gesicht sich hell von dem schwarzen Trauerkleid abhob, das sie um des verschollenen Sohnes willen jetzt immer trug, schluchzte leise vor sich hin. Frau: Ach, Ludwig, dass wir auch so ganz allein sein müssen in unseren alten Tagen. Keiner fragt nach uns, keiner kommt zu uns - 's ist kein Elend so groß wie das Verlassen-Sein, nicht wahr? Holz- meister: Ja, Mutter, das ist schon so. Der Förster ist mit mir gegangen. Ein prächtiger Mann, der Herr Iffland, ein frommer Mann. Ich hab ihm vom Bernhard erzählt, hab's ihm gesagt, dass wir in diesem Jahr zum ersten mal ohne Hoffnung und Freude in das Neue Jahr hinübergehen. Und dass doch so viel Zweifel über uns gekommen sind, dass wir kaum noch an die Liebe Gottes glauben können, weil wir uns doch immer fragen müssen, womit wir das verdient haben, dass wir jetzt so verlassen sein müssen. Nun - er hat mir still zugehört, und dann hat er mir Mut und Trost zugesprochen. Hat auch vom Hiob gesprochen, von dem in der Bibel steht, der auch das schwerste Leid aus Gottes Hand genommen hat. Das war schön, Mutter, und ich hab sehr drüber nachdenken müssen auf meinem Weg. Mutter - wir wollen den Glauben an Gott und seine Gnade nicht aufgeben. Sprecher: Der Holzmeister setzte sich wieder auf die Ofenbank, rückte nahe an seine Frau heran und legte seine raue, verarbeitete Hand auf ihre Hände, die gefaltet in ihrem Schoße lagen. Durch die Dämmerung des Zimmers ging das Ticken der alten Uhr an der Wand, die im ruhigen Takt die Sekunden der Zeit zählte. Nur noch einige Stunden hatte das Uhrwerk in diesem Jahr zu zählen. Holz- meister: Mutter, ich habe einen schönen Vers gelesen, der will mir nicht mehr aus dem Sinn: "Mag Erdentrost uns schwinden, auf dich, Herr, darf ich bauen. Wir wollenes nicht ergründen, wir wollen nur vertrauen." Und das wollen wir tun, Mutter, wir wollen das vertrauen nicht aufgeben. Über eins können wir doch auch so dankbar sein. Holz- meister: Unser Bernhard war nicht nur ein guter Junge, er war auch ein frommer Mensch, der nach Gottes Wort gelebt und an Jesus als seinen Heiland geglaubt hat. Wenn wir ihn hier auf Erden wirklich nicht mehr wieder sehen sollten, dann doch einmal dort, wie wir es in dem schönen Lied aussprechen: "Die Heimat der Seele ist droben im Licht." Frau: Ja, Vater, wir wollen vertrauen. Gott wird's schon Wohlmachen. Sprecher: So saßen sie zusammen, die beiden Alten, und es war eine Stille um sie her. Ihre Herzen waren geborgen im Frieden Gottes. Da hörten sie, wie draußen an der Schwelle der Haustür jemand den Schnee von den Schuhe abklopfte. Holz- meister: Hör, Mutter, da kommt doch noch jemand zu uns. So kurz vor Neujahr? Vielleicht will jemand noch etwas bereinigen bevor er ins Neue Jahr geht. Es ist doch schön mit reinem Gewissen ins Neue Jahr zu gehen. (steht auf, öffnet die Tür) Sprecher: Es war der alte "Boten-Ferdinand", der Briefträger, der eintrat. Die klirrende Kälte draußen hatte ihm weiße Eiskügelchen in den grauen Bart gehaucht und sein Gesicht gerötet. Am Ausdruck des Gesichtes erkannte der Holzmeister, dass es die Kälte nicht allein sei, die ihm das Gesicht glühen machte. Holz- meister: Kommst noch so spät, Ferdinand. Jetzt ist doch kein Botendienst mehr. Brief- träger: Nein, (nimmt die Mütze ab, kramt in der Tasche) aber jetzt um die Stunde sollte man sich doch mit neuer Hoffnung und Freude auf das Neue Jahr zubereiten. Mach Licht Ludwig, ich habe eine Neujahrsfreude für euch! Die aller schönste, die ihr euch denken könnt. Ich weiß, dass ihr sehr verlassen und einsam seid, und ich wollte nicht bis Übermorgen mit dieser Karte hier warten, wenn ich wieder meinen Botendienst verrichten muss. (Die Frau kommt langsam dazu.) Brief- träger: Es hat mir keine Ruh' gelassen, und darum bin ich trotz der späten Stunde noch gekommen. Hier... (langsam und feierlich legt Ferdinand die Karte auf den Tisch) Holz- meister: Was? - Was? (stottert, greift nach der Karte) Es ist nicht wahr! Es ist nicht möglich! Ferdinand, es ist - aber Mutter - Mutter, hörst Du? Von Bernhard! Mein Gott - mein guter Gott, wo hab ich denn nur meine Brille? Vom Bernd... (sinkt auf einen Stuhl nieder, schluchzt) Frau: (stammelnd) Von Bernhard?! Kann das denn wahr sein?! Mein Junge! (Briefträger nimmt die Karte aus der Hand des Holzmeisters.) Brief- träger: Nun, darum wollte ich nicht bis Übermorgen mit der Karte warten. Kommt, ich will sie euch vorlesen. Sprecher: Und mit starker und bewegter Stimme las der Bote das, was der vermisste Sohn geschrieben hatte, von Gefangenschaft, schwerer Krankheit, endlicher Genesung und dass er zurzeit in einem Lager im Osten auf seine Entlassung warte. Er hoffe, zum Neuen Jahr daheim bei Vater und Mutter zu sein. Die Blicke der beiden alten hingen an seinen Lippen, tränenschwer aber nicht mehr vom Leid, sondern von der Freude. Der hohen, seligen Freude die nun ihr Hoffen, Bangen und Beten belohnte. Brief- träger: Heute will ich meinem Gott doch auch dafür herzlich danken, dass ich Briefträger bin und euch diese Nachricht bringen durfte. Die Karte hat wegen der unzulänglichen Postverbindung zum Osten sehr lange bis hier gebraucht. Holz- meister: Mutter, hast du gehört? Er will zum Neujahr daheim sein! Mach alles bereit, damit wir ihn richtig empfangen können, nicht dass er für uns so unerwartet kommt wie Ferdinand. Dank dir Ferdinand, dass du uns so erfreut hast, und dir so viel Mühe, trotz dieses Wetters gemacht hast. Mutter, meine Schuhe! Frau: Aber Ludwig, wo willst du denn jetzt auf einmal hin? Holz- meister: Ich will noch zum Förster, ehe das Neue Jahr beginnt. Frau: Aber Ludwig, jetzt noch? Es ist doch schon dunkel draußen. Warte doch bis morgen. Holz- meister: Nein, nein, morgen ist Neujahr. Ich habe ihm gesagt, er soll für uns beten und an uns gedenken. Er soll sich auch mit uns freuen, wenn wir in das neue Jahr hinüber gehen. Sprecher: Als die beiden Männer aus dem Hause traten, herrschte draußen eine Totenstille, es schien als wenn alles in sich gegangen wäre und noch einmal über das schon fast vergangene Jahr nachdenke, um rein und heilig in das neue und ungewisse Jahr zu treten. Nachdem Ludwig das Haus des Försters erreicht hatte, und ihm die frohe Kunde erzählte, freute sich dieser mit ihm. Förster: Gott antwortet auf die Gebete seiner Kinder! Er sagt ja auch in Hebräer 10,35: Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Ludwig: Ja, Sie haben recht. Und ich danke Ihnen noch einmal für die Worte des Trostes, aber jetzt will ich nach Hause. Ich will mit meiner Frau zusammen in das neue Jahr voller Hoffnungen übergehen. Sprecher: Als er zu Hause angekommen war, hörte man vom Kirchenturm her die Glocke zwölfe schlagen. So konnten sie geborgen und im vollen Vertrauen auf Gott ins Neue Jahr treten. Kannst du es, lieber Zuhörer auch? ENDE
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