| Der Rabe |
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Der Kleinbauer Dorby wohnte in einem kleinen Dorf in Polen. Durch Unwetter und Misernten verlor der Bauer alles, auser sein Vertrauen auf Gott. Gott greift beherzt ein und hilft der Familie durch einen Raben...
Gläubi-: Wenn die Schulden nicht bezahlt werden, komme ich in vierzehn Tagen wieder, lasse dich ins Gefängnis werfen und dein Hof verkaufen. ger Erzähler: Alles Bitten und Flehen half nichts. Der Gläubiger war hart wie ein Stein. Kein Holz, kein warmes Bett, kein Geld für Brot und keine Hoffnung auf Hilfe von Menschen; draußen aber der beginnende Winter! Der Herr aber, der Elia am Bach Brot reichen ließ, wollte sich auch in dem Dorf als mächtiger Helfer offenbaren, denn Weg hat Er allerwegen, an Mittel fehlt's Ihm nicht. (Musik) Erzähler: Eines Tages saß der Rabe endlich auf der Fensterbank. Dorby: Er soll nur herein kommen und vorlieb mit uns nehmen. Wir sind zwar arm wie er; aber was wir noch haben wollen wir mit ihm teilen. Erzähler: Und der Rabe flog durchs Fenster auf den Tisch und ließ sich von Dorby streicheln. Das Tier sah ihn aber an, als wollte es fragen: Warum weint ihr, und warum seid ihr so traurig? Die Kinder reichten ihm Brot er fraß nicht, sondern fing selbst kläglich an zu krächzen und hob seine Flügel und schaute nach dem Fenster. Man sah, er wollte fort. Dorby öffnete das Fenster, und fort war der Vogel und kam nicht wieder. Maria: Es wird ihm bei uns nicht gefallen haben, denn er war gar nicht vergnügt und hat wenig gefressen. Erzähler: Indessen kam der entscheidende Tag immer näher. Vergebens bat Dorby den Gläubigen ihm noch Zeit zu lassen. Nur ein Weg blieb übrig: das Gebet. Als eine Erhörung seiner Gebete sah es Dorby an, dass der Gläubiger noch acht Tage warten wollte. Wie aber Gott weiter helfen würde, ahnte der Vater nicht und am Abend fing er laut an zu weinen. Da liefen die Kinder auf ihn zu und versuchten ihn zu trösten. Alle fielen auf die Knie, und Dorby stimmte ein Lied an: > Befiehl du deine Wege und was dein Herze quält<. Tränen und Seufzer begleiteten den Gesang. Aber bevor sie noch ausgebetet hatten, war das Ende ihrer Not da. Es pochte ans Fenster und der Rabe war da. Der Rabe flatterte gerade auf Dorby zu und legte ihm ein glänzendes Ding in die Hand, welches er im Schnabel hielt. Dorby wollte seinen Augen nicht trauen. Dorby: Maria, das ist Hilfe! Gott sei Dank! Schau ein Ring! Wenn der Ring doch nur wenigstens 100 Taler wert ist, so sind wir vor dem Äußersten sicher. - Aber dürfen wir den Ring auch behalten? Ist es nicht gestohlenes Gut? Aber wo ist der Herr des Ringes? - Maria, den Ring müssen wir wieder zurückgeben, mag er gehören, wem er will. Ehrlich währt am längsten. Schickt uns Gott ein Glück zu, so wirds unser bleiben. Schickt aber der Teufel eine Versuchung, so darf es ihm mit uns nicht gelingen. Maria: Lieber in Ehren arm, als in Schande wohlhabend; lieber vor Menschen erniedrigt, als schuldig vor Gott! Erzähler: Am anderen Morgen ging Dorby zum Pfarrer, von dem er Rat und Anweisung erwartete. Der war ein freundlicher Mann, der auch Dorbys Not und Sorgen kannte. Pfarrer: Nun, was bringt Ihr mir, Dorby? Ich weiß, wo der Schuh drückt und möchte Euch gern helfen, aber ich kann nicht. Dorby: Ich weiß es wohl, aber ich glaube, Ihr könnt mir heute doch helfen, denn es scheint, als wolle Gott meinen Weg wieder aus dem Sumpf ziehen, indem er einen Rabe vorgespannt hat! Pfarrer: Einen Raben? Wie meint Ihr das? Erzähler: Und er erzählte, wie er zu dem Ring kam. Dorby: Da ist er! Pfarrer: Das ist ja der Siegelring unseres Königs! Da steht ja: Stanislaus Rex, - Ja, Dorby, nun kann und will ich Euch helfen. Ich will dem König alles melden und ihn in das Herz eines christlichen, treuen Untertanen schauen lassen. Geht ohne Sorge heim; Ihr sollt nicht lange im Dunkeln sitzen. Dorby: Was wird nur Maria sagen, wenn sie hört, wem der Ring gehört und was ihr tun wollt! Ja, die auf den Herrn harren gewinnen neue Kraft, das sie auffahren mit Flügeln wie Adler. Sollte ich da nicht Gott dankbar sein? Erzähler: In der Bauernstube ging es bald darauf fröhlich zu. Frau und Kinder freuten sich, als sie hörten, wem der Ring gehörte. König Stanislaus war ein freundlicher Herr und einer der besten Fürsten seiner Zeit. Noch waren keine zwei Tage vergangen, als ein vornehmer Schlitten durchs Dorf fuhr und vor dem Pfarrhaus hielt Die Leute erkannten an dem Wappen, dass es einen königliches Gefährt war. Die Leute wunderten sich, das es beim Pfarrer hielt und noch viel mehr, als sie sahen, wie der Schlitten mit dem Pfarrer vor das Haus Dorbys fuhr und Dorby bald im Sonntagsanzug einstieg. Und der Rabe setzte sich hinten auf den Schlitten, wie ein Diener. Unterwegs wurde es Dorby aber doch etwas bang. Und der Kammerdiener und der Pfarrer mußten ihn ermutigen. Kammerdiener: Der König hat sich über Eure Ehrlichkeit sehr gefreut und von einem ehrlichen Lohn gesprochen, wenn es der Mann bedürfe. Erzähler: Der Verlust des Ringes hatte im königlichen Schloß viel Aufsehen erregt; man sah die nächsten Diener mit bedenklichen Augen an und fürchtete, sie wären die Diebe. Nun war allem Gerede ein Ende gemacht und die Treue der Diener in ein helles Licht gebracht. Es stellte sich heraus, dass an jenem Abend die Fenster einige Stunden geöffnet waren und gleich darauf der Ring vermißt worden war. Man machte die Probe, legte den Ring auf den Tisch, öffnete die Fenster und stellte sich beiseite. Es dauerte nicht lange, da kam der Rabe durch das Fenster auf das Kleinod zu und trug es zur Ergötzung aller Anwesenden in die Hand des Bauern. - Und der Lohn? - Ein Jahr darauf stand in Dorbys Gehöft an der Stelle des baufälligen Hauses ein nettes Wohnhaus und ein ausgebessertes Stallgebäude. Auch die Schulden waren durch die Gunst des Königs bezahlt worden. Dorby war einer der reichsten Bauern geworden, und er ließ sich über sein Hoftor den Vers schreiben: >Sein Tun ist lauter Segen, Sein Gang ist lauter Licht<, und immer wieder lobte und dankte er mit seiner Familie Gott, der ihnen so wunderbar geholfen hatte. Liebes Brautpaar, lernt aus dieser Geschichte, dass ihr Gott in allen Lagen vertrauen lernt! Der Herr kennt alle unsere Lagen und sendet stets seine Hilfe zur Rechten Zeit. Kommt allezeit mit Euren Sorgen und Kummer zu ihm und er wird Euch nie enttäuschen! ENDE Zu Favoriten hinzufügen (9) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 563
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