| Gefangen |
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Israel wird von der Römischen Armee eingenommen und Hadassa Gefangen und als Sklavin verkauft. Trotzdem vertraut sie Gott. (Markus kommt) Hadassa: Markus Ich habe solche Angst um dich gehabt, du warst so lange fort. Markus: Ich habe versucht etwas Essbares zu finden. Nichts. Noch nicht einmal einen alten Schuh, oder ein Stück Schildleder. Nichts. Hadassa: Sei nicht traurig Markus. Ich weiß du hast es versucht. Markus: (resigniert) Vielleicht will Gott das wir sterben. Hadassa: (traurig, verzweifelt) Ich weiß nicht, ob ich Gottes willen noch wissen möchte. Mama hat gesagt, der Herr wird für uns sorgen. -Pause- Markus: Sie werfen die Leichen ins Hinnomtal hinter dem Tempel. (entsetzt) tausende von Leichen, Hadassa. Hadassa: Ins Hinnomtal?! - In dieses Tal der Verdammnis? Markus, ob ... ob unser Vater... Markus: Ich habe Titus gesehen. Er kam mit einigen Männern herbei geritten. Als er die Leichen sah, schrie er etwas. Ich habe es nicht verstanden, aber jemand sagte er rief zu Gott, dass dies nicht sein Werk sei. Hadassa: Wäre er gnädig, wenn die Stadt sich jetzt ergäbe? Markus: Vielleicht, wenn er seine Männer zügeln kann. Sie hassen die Juden und wollen sie vernichten. Hadassa: Und uns mit. Sie werden keinen Unterschied machen zwischen den Anhängern des neuen Weges und den Zeloten, oder? Rebellen, rechtschaffene Juden, Christen - sie werfen sie in einen Topf. Ist das der Wille Gottes, Markus? Markus: Vater sagte, Gott will nicht, dass Menschen leiden. Hadassa: Warum müssen wir dann so leiden? Markus: Wir tragen die Folgen für das, was wir uns selber angetan haben, und für die Sünden dieser Welt. Jesus vergab dem Schächer, aber er holte ihn nicht vom Kreuz herunter. - Ich bin nicht so weise wie Vater. Ich habe keine Antworten, aber ich weiß, dass es Hoffnung gibt. Hadassa: Hoffnung, Markus? Was für eine Hoffnung? Markus: Gott lässt immer einen Rest übrig. -Musik- Sprecher: Die Belagerung ging weiter. Hunger und Tod wurden immer stärker, die Stadt fiel. Die Römer zogen tötend und plündernd durch die Stadt, auch machten sie Gefangene, die sie mit nach Ephesus nahmen, um sie als Sklaven zu verkaufen. Langsam marschierte der Zug durch die Straße. Der Bruder getötet, Mutter und Schwester durch den Hunger verloren, ging Hadassa allein in der großen Masse. Wo sie hinschaute, nur Hass und Verbitterung. (die Gefangenen gehen hinter dem Soldaten her) 1. Mann: Möge der Gott unserer Väter sie verfluchen für ihr Tun. Frau: Wo bringen sie uns wohl hin? 1. Mann: Niemand weiß. Oh wie ich diese Römer hasse, wenn ich könnte... 2. Mann: Sei still, oder sie werfen dich auch den Vögeln zum Fraß vor. Hast du vergessen, was sie mit den andern gemacht haben? 1. Mann: Wie sollte ich? Tausende von Kreuzen, die den Wegrand säumten, nein, diesen Anblick werde ich nie vergessen? 2. Mann: Nur die stärksten und kräftigsten wurden mitgenommen. Wer es nicht schaffte wurde einfach liegen gelassen, oder sofort getötet. Soldat: Hier lagern wir. Stellt euch auf für die Mahlzeit. 1. Mann: Mahlzeit! (verbittert, zynisch) 2. Mann: Sei froh, dass du überhaupt etwas bekommst. Hadassa: (etwas abseits zu sich) Ob ich jetzt etwas bekomme? An Schwache und Kranke teilen sie nichts aus. Ò Der Herr wird für euch sorgen sagte Mutter, oh, ich vermisse sie. Soldat: Der Nächste. Hadassa: Hier ich! (bekommt ihre Körner) Danke. Frau: (bissig flüsternd) Was ist in dich gefahren? Du kannst dich doch nicht bei einem Römer bedanken. Bestraft muss er werden und nicht noch danken! Sprecher: Hadassa ging. Sie wusste nicht, dass der junge Soldat ihr nachblickte. Mechanisch tauchte er seine Kelle wieder in das Getreidefass und bediente den nächsten; seine Augen ließen sie nicht los. Etwas entfernt von den anderen setzte Hadassa sich und senkte den Kopf, Tränen liefen ihr über die Wangen. Soldat: Ein merkwürdiges Mädchen. Eigentlich sollte sie mich hassen, wie alle hier. Sie ist so anders. Wie kann sie ihren Feinden noch danken? - Pause - Hadassa: (abseits) Gott lässt immer einen Rest übrig, hat Markus gesagt. Aber warum ausgerechnet ich? - (Pause) Aber der Herr sorgt für mich. Sprecher: Die Sonne ging unter. In Hadassa war ein unerklärlicher Friede. Inmitten von Zerstörung und Tod und vor einer unbekannten Leidenszukunft spürte sie Gottes Nähe. -Musik- (Szenenwechsel: Die Gefangenen stehen in einer Reihe, der Soldat geht mit dem Händler die Reihe entlang) Sprecher: Hadassa stand in der langen Schlange jüdischer Männer und Frauen. Reich gekleidete ephesische Sklavenhändler gingen mit musternden Augen an ihnen vorbei, um sich die gesündesten auszusuchen. Soldat: Wie wäre es mit dieser hier? (Frau tritt einen Schritt vor) Händler: Nein, absolut nicht. Ich brauche Dienerinnen in den Tempeln der Artenis, etwas attraktiv müssen sie schon sein. (geht weiter) Hadassa: (zu sich) Nein, bitte nicht. Lieber die niedrigste Arbeit tun, als einer heidnischen Göttin dienen. (Händler und Soldat bleiben vor Hadassa stehen) Händler: Die hier könnte etwas werden. Soldat: Ist zu jung. Händler: Muss wohl übersehen worden sein. Lass dich anschauen. Soldat: Aber sie ist zu dünn. Händler: Mit gutem Essen geht das schon. Soldat: Sie ist eine von den Gerechten. Händler: (höhnisch) Ach, so eine! Ein Grund mehr, sie zu kaufen. Eine gerechte Jüdin ist genau das, was halb Ephesus will. Soldat: (zynisch) Schön, dann zahl deine dreißig Silberstücke für ein Mädchen, das tot in Ephesus ankommt.... Händler: Tot? Bis jetzt hat sie doch alles ausgehalten, und krank sieht sie auch nicht aus. Die Arbeit im Tempel bringt keinen um. Soldat: Ich wette mein Salzration, dass sie sich selber umbringt, bevor du Ephesus erreicht hast. Händler: Warum das? Soldat: Du scheinst die Juden nicht zu kennen. Die stirbt lieber, als das sie einem heidnischen Gott dient. Aber bitte sehr nimm sie mit, ein Jude weniger, der mir auf die Nerven geht! Händler: (zögert) Vielleicht hast du recht. Sieht aus, als wolle sie gleich tot umfallen. (geht weiter) Diese Juden! Ägypter muss ich haben.... Hadassa: (zum Soldaten) Möge Gott dich für deine Gnade segnen. Soldat: Du hast mir schon einmal gedankt, als ich dir den Löffel Körner gab. Und dauernd betest du, ich habe dich beobachtet. Und was hast du davon? (Hadassa schweigt) Was hast du davon? Hadassa: Ich weiß noch nicht. Soldat: Du glaubst also immer noch? Du bist verrückt, ihr seid alle verrückt. (geht los, dreht sich noch einmal um) Ich habe dir nichts Gutes getan. Tempelsklaven werden gut behandelt. Du wirst mich vielleicht noch verfluchen. Hadassa: Nein, nie! Anwendung: - Hadassas Dankbarkeit noch mehr herausbringen - die Dankbarkeit als Lebenshaltung und nicht ein bloßes Wort - die Grundeinstellung wird auch von andern bemerkt Zu Favoriten hinzufügen (10) | Artikel zitieren | Aufgerufen: 486
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